LEBENSQUALITÄT
Die freie Enzyklopädie Wikipedia beschreibt das allgemeine Verständnis von Lebensqualität so: „Mit dem Begriff Lebensqualität werden üblicherweise die Faktoren bezeichnet, die die Lebensbedingungen in einer Gesellschaft beziehungsweise für deren Individuen ausmachen.“ Im Weiteren erläutert Wikipedia, dass „…die Einschätzung der eigenen Lebensqualität nach sehr subjektiven Kriterien geschieht.“ In der Tat wird wohl jeder Mensch seine eigene Vorstellung von Lebensqualität haben und sich über die damit verbundenen Voraussetzungen Gedanken machen.
Verschiedene Bereiche unseres Lebens werden mit der Definition „Lebensqualität“ in Verbindung gebracht. Dazu gehören unter anderem häufig Essen und Trinken, Bewegung, Sexualität und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.
Die Kriterien, die die persönliche Lebensqualität ausmachen hängen also ganz von den individuellen Bedürfnissen ab.
Ernährungsberatung
Richtige Ernährung lässt sich erlernen
Ein guter Ernährungszustand eines Dialysepatienten, ebenso wie seine Zufriedenheit und Krankheitsakzeptanz sind Zeichen einer guten Lebensqualität des Betroffenen und seines häuslichen Umfeldes. Der Weg dorthin ist nicht immer einfach, aber möglich. Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie ein paar praktische Tipps und Tricks für die richtige tägliche Ernährung.
Wohlbefinden und Ernährung stehen in engem Zusammenhang
Gesundheit und Wohlbefinden sind für die meisten Menschen unmittelbar miteinander verknüpft. Beides steht in engem Zusammenhang mit dem individuellen Essverhalten. Fragt man Menschen nach ihrem größten Wunsch, so erhält man zumeist die Antwort "Gesundheit". Für mehr als 90% der Bevölkerung spielt die Ernährung in diesem Zusammenhang eine wesentliche und entscheidende Rolle. Eine von Westenhöfer und Pudel (1990) durchgeführte Umfrage zeigt, dass 44,5% der Befragten den Begriff "Essen" mit Lust und Genuss assoziieren, während das nur 25,9 % mit dem Begriff "Ernährung" tun. Die Mehrzahl versucht, eine Balance zwischen Gesundheit und psychischen sowie emotionalen Bedürfnissen herzustellen.
Der Dialysepatient muss Essen neu erlernen
Für Dialysepatienten ist die richtige Ernährung eine grundlegende Voraussetzung, um Lebensqualität und Therapieerfolg nicht zu gefährden. Das einer Dialysebehandlung angepasste Essverhalten lässt sich - mehr oder weniger einfach - von Patienten und Angehörigen mittels Schulung erlernen. Und eine individuelle Dialysediät muss trotz Einschränkungen nicht automatisch einen Verlust an Wohlgeschmack bedeuten.
- Der Patient lebt gerade zu Beginn der Dialysebehandlung in einem Spannungsfeld zwischen medizinischer Notwendigkeit sowie menschlicher Bedürftigkeit, Gewohnheit und Lebensfreude. Deshalb ist es sehr wichtig, in Gemeinsamkeit mit dem Dialysefachpersonal/ dem Arzt eine patientenspezifische Problemanalyse durchzuführen. Aus dieser werden anschließend individuell gestaltete diätetische Möglichkeiten und Alternativen erarbeitet.
- Eine notwendige und langfristige Verhaltensänderung kann nur umgesetzt werden, wenn persönliche und individuelle Ansprüche und Voraussetzungen des Patienten berücksichtigt werden. Das Hinzufügen von sozialen Komponenten ist innerhalb der Realisierung eines neuen Ernährungsverhaltens ein bedeutendes Element.
- Unsicherheiten und Ängste hinsichtlich der eigenen und neuen Gesundheitssituation und die damit verbundenen Stressreaktionen können durch Wissen und Kennenlernen von praktischen Fähigkeiten verringert werden.
- Die ursprüngliche Bedeutung des Essens beinhaltet für viele die Herstellung von Nähe zu anderen Menschen und kann hilfreich durch Integration individueller Vorlieben und Esstraditionen unterstützt werden.
- Eine ausgeglichene Stoffwechsellage bei konstantem Körpergewicht ist Ausdruck eines gut geschulten und informierten Patienten. Besteht eine Diskrepanz zwischen klinisch vernünftigen/geforderten Parametern und der aktuellen Patientensituation, sollten Ernährungs- und Verzehrgewohnheiten unter die Lupe genommen werden.
Spezielle Diät ist bei Dialysepatienten notwendig
Mit Beginn der Dialyse ändern sich auch die Anforderungen an die Ernährung entscheidend. Dies gilt sowohl für die Hämo- als auch für die Peritonealdialyse. Empfehlungen, die vor Beginn der Dialyse sinnvoll waren, müssen nun der neuen Situation angepasst werden. Zum Beispiel werden viele Patienten vor der Dialyse dazu angehalten, viel zu trinken und wenig Eiweiß zu essen. Mit Beginn der Dialyse ist dieser Rat nicht mehr gültig. Bedingt durch die Dialyse kommt es bei den Patienten oft zu Nährstoffverlusten. Folgen der Fehlernährung durch eine kalorisch unzureichende und eiweißverminderte Nahrungsaufnahme sind oftmals eine verminderte physische und psychische Leistungsfähigkeit, Appetitlosigkeit und urämische Symptome (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Magersucht). Messbare Resultate sind Verlust an Körpersubstanz, Unterschreiten des Sollgewichtes, Überwässerung des Patienten und - als Folge daraus - Entgleisungen im Kalium- und Phosphathaushalt.
Daher ist eine eiweißreiche Ernährung, gepaart mit diätetischen Maßnahmen und einfachen Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung für eine kalium- und phosphatbilanzierte Kost mitentscheidend für den medizinischen Erfolg der Dialysebehandlung.
Richtiges Ernährungsverhalten lässt sich erlernen
Essen und Trinken sind automatisierte Handlungen, die zum größten Teil unbewusst erfolgen. Wir greifen "unüberlegt" zu Lebensmitteln, trinken wenn wir Durst haben und essen, wenn wir Hunger haben. Dialysepatienten können Erlernen, diesen vor der Erkrankung oft unbewussten Prozess nun bewusst wahrzunehmen und zu gestalten.
Viele Menschen besitzen wenig bis keine Kenntnisse und Vorstellungen über die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und über die Verstoffwechslung der Nährstoffe. Sie wissen wenig über Gewichtseinheiten und Portionsgrößen. Eine Schulung dieser Kenntnisse und Vorstellungen trägt durch die damit erworbene Flexibilität der Gestaltungsmöglichkeiten und Handhabung zur Eigenmotivation, Autonomie und Lebensqualität bei.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Ernährungsberatung?
Der Patient ist durch Krankheit und Therapie vielen Anpassungs- und Veränderungsprozessen ausgesetzt. Sie erschüttern das Selbstbild, die Identität und das bisher gültige Wertesystem der Betroffenen. Für den Patienten ist dies eine existenzielle Krise, die individuell mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlicher Intensität bewältigt wird.
Als günstigster Zeitpunkt einer umfangreichen Ernährungsberatung gilt ein Zeitraum von 3-6 Monaten nach Dialysebeginn. Für den Patienten ist es z.B. zur Stressreduzierung wichtig, in dieser oft sehr bewegenden Phase Informationen vom Dialysefachpersonal über mögliche Ansprechpartner zu diätetischen Fragen zu erhalten und immer wieder angesprochen und motiviert zu werden. Das Fachpersonal ist auf den Mut des Patienten angewiesen, immer wieder Fragen zu stellen, Stopp zu sagen, wenn die Informationen zu viele sind oder nicht verstanden werden.
