Diabetes

Therapie des Diabetes

Therapie durch Aktivität und richtige Ernährung

Grundlage: die 3 Säulen-Therapie
  • Diabetikerschulung
    Eine Schulung des Diabetes-Patienten ist absolut unumgänglich. Sie vermittelt ihm wichtige Informationen über seine Erkrankung und ihre Behandlung. Das betrifft insbesondere die Bestimmung des Blutzuckerspiegels, den Umgang mit Medikamenten (vor allem Insulin), die Ernährung und Möglichkeiten zur Vermeidung von Folgeerkrankungen. Solche Schulungen werden von zahlreichen Stellen angeboten. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Diabetes-Ambulanzen von Kliniken, Selbsthilfegruppen und Diabetes-Schwerpunktpraxen informieren über die verschiedenen Kursangebote.

  • Diabetesgerechte Ernährung
    Diabetesgerechte Ernährung Eine gesunde Ernährung ist für alle Diabetes-Patienten, vor allem aber für Typ-II-Diabetiker, von großer Bedeutung. Mit Hilfe einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann das Körpergewicht gesenkt werden, was zu einer Verbesserung der Zuckerwerte im Blut beiträgt. Viele Patienten können auf diese Weise ihren Tabletten- bzw. Insulinbedarf deutlich reduzieren. Dabei bedeutet diabetesgerechte Ernährung nicht automatisch eine strenge Diät mit Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol. Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, wie sie auch für Stoffwechselgesunde empfohlen wird. Um in Beruf und Freizeit leistungsfähig zu sein, benötigt ein Diabetiker genauso wie ein Stoffwechselgesunder eine Kalorienzufuhr, die der körperlichen Tätigkeit angemessen ist. Wichtig ist, dass die mit der Nahrung zugeführten Kalorien vom Körper auch verwertet werden können und Kohlenhydrate nicht als Harnzucker wieder ausgeschieden werden.

    Praktische Tipps für den Diabetiker:
    • mehrere kleine Mahlzeiten (fünf bis sechs) am Tag sind besser als wenige große, weil der Insulinbedarf dann geringeren tageszeitlichen Schwankungen unterliegt
    • als günstig hat sich eine fettarme Kost in Verbindung mit viel Obst und Gemüse erwiesen
    • Vollkornprodukte führen zu einer langsameren Freisetzung von Kohlenhydraten und tragen auf diese Weise dazu bei, einen gleichmäßigeren Blutzuckerspiegel zu gewährleisten
    • Nahrungsmittel, die leicht resorbierbare Kohlenhydrate wie reine Glukose oder Kochzucker enthalten, sind dagegen eher zu meiden, da sie zu einem raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels führen, allerdings muss auf sie keinesfalls gänzlich verzichtet werden
    • um eine gute Nierendurchspülung zu gewährleisten, sollten Diabetiker wie Stoffwechselgesunde auf eine ausreichende Trinkmenge (mindestens 1,5 Liter täglich) achten
    • Kaffee und schwarzer bzw. grüner Tee eignen sich nicht, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken, da sie vor allem harntreibend wirken und den Körper somit "austrocknen", was gleich bedeutend mit erhöhten Konzentrationen schädlicher Substanzen ist.


  • Bewegung
    DIE ABBILDUNG FEHLT!!! Bewegung ist für den Diabetiker neben einer gesunden Ernährung die zweite Möglichkeit, aktiv etwas gegen die Erkrankung zu tun. Muskelarbeit steigert den Energieverbrauch, verbessert die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin und führt so zu einer Senkung des Blutzuckers. Eine regelmäßige aktive Bewegung ist daher nur zu empfehlen. Bereits tägliche längere Spaziergänge von mindestens 45 Minuten führen zu positiven Effekten. Allerdings sollte die körperliche Betätigung nicht übertrieben werden. Plötzliche sportliche Höchstbelastungen bei sonst eher geringer körperlicher Aktivität können der Blutzuckereinstellung sogar eher schaden als nutzen und unter Umständen zu einer Entgleisung des Gesamtstoffwechsels führen.

Medikamentöse Therapie

  • Therapie beim Typ-I-Diabetes
    Beim Typ-I-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Die Insulinbehandlung muss daher unmittelbar im Anschluss an die Diagnosestellung beginnen. Eine Behandlung mit oralen Antidiabetika wäre unsinnig und schädlich, da sie auf eine gezieltere Insulinausschüttung der Inselzellen abhebt, die beim Typ-I-Diabetes jedoch ihre Funktion bereits verloren haben. Hinweise dafür, dass eine frühzeitige konsequente Stoffwechselnormalisierung unter Insulin die Dauer und das Ausmaß der bereits erwähnten Remissionsphase günstig beeinflusst, ist Grund genug, bei Typ-I-Diabetes mit dem Beginn der Insulinbehandlung nicht zu zögern.

  • Therapie beim Typ-II-Diabetes
    Diabetiker vom Typ II leiden primär an einer Störung der Insulinwirkung und nicht an einem absoluten Insulinmangel. Häufig liegt der Erkrankung eine ungesunde Ernährungsweise verbunden mit Fettleibigkeit zugrunde. Hier geht es zuerst darum, durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten das Körpergewicht zu reduzieren. Reichen diätetische Maßnahmen nicht aus, den Blutzuckerspiegel entscheidend zu senken, ist beim Typ-II-Diabetiker eine Therapie mit oralen Antidiabetika möglich. Dabei sind drei Gruppen mit grundlegend verschiedenen Wirkmechanismen zu unterscheiden:
    • Stoffe zur Verzögerung der Kohlenhydratresorption:
      Dazu gehören zum einen Substanzen, die im Darm stark aufquellen und ein Völlegefühl erzeugen, wodurch die Nahrungsaufnahme allgemein begrenzt wird. Damit verbunden ist eine automatische Reduktion der aufgenommenen Kohlenhydratmenge. Zum anderen gibt es Medikamente, die verhindern, dass im Darm bestimmte chemische Reaktionen an den Glukosemolekülen der Nahrung ablaufen. Auf diese Weise wird die Aufnahme der Glukose durch den Darm verringert.
    • Sulfonylharnstoffe:
      Sulfonylharnstoffe erhöhen die Sensibilität der Inselzellen für den Blutglukoseanstieg und bewirken somit eine verstärkte Insulinausschüttung. Häufig sprechen Typ-II-Diabetes-Patienten zunächst gut auf eine Therapie mit Sulfonylharnstoffen an. Mit fortschreitender Erkrankung, wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse durch die Belastung einer dauerhaft erhöhten Insulinproduktion erschöpft sind, lässt die Wirkung der Medikamente in der Regel jedoch nach. Eine Therapie mit Insulin wird unvermeidbar, um die Stoffwechsellage zu normalisieren.
    • Biguanide:
      Biguanide erhöhen die Glukoseverwertung in der Peripherie, z.B. in der Muskulatur. Zusätzlich hemmen sie die so genannte Glukoneogenese, d.h. die Herstellung von Glukose aus anderen Stoffwechselprodukten wie den Proteinen.

Stufentherapie beim Diabetes Typ-II

Stufentherapie beim Diabetes Typ-II
  1. Umstellung der Ernährungsweise: das Ziel ist eine Gewichtsreduktion, oftmals sind dann keine Medikamente erforderlich
  2. zusätzlich Acarbose und/oder Metformin
  3. Kombination mit Sulfonylharnstoffen
  4. zusätzliche Gabe von Insulin, wenn ein Sekundärversagen, d.h. eine diabetische Stoffwechsellage trotz Gabe oraler Antidiabetika, vorliegt (Meistens geschieht das etwa 5-10 Jahre nach Feststellung des Diabetes. Später wird auf alleinige Insulintherapie umgestellt.)

Grundlegende Informationen zum Insulin

Die Therapie mit Insulin wurde in den letzten Jahrzehnten fortlaufend weiter entwickelt. Dennoch ist es auch heute noch nicht möglich, die Glukosespitzen, die nach dem Essen auftreten, durch die Gabe von Insulin vollständig zu vermeiden. Dies liegt daran, dass eine gewisse Zeit vergeht, bis das subkutan gespritzte Insulin überhaupt ins Blut gelangt und dort seine Wirkung entfalten kann. Folgende Optionen standen gestern und stehen heute zur Verfügung:
  • Alt-Insulin:
    Die erste Behandlung mit Insulin erfolgte im Januar 1922. Zunächst standen nur kurz wirkende Normal-(Alt-)Insuline zur Verfügung. Verzögerungsinsulin: Ab 1930 wurde die Insulintherapie durch die Einführung von so genannten Verzögerungsinsulinen grundlegend verändert. Solche Insuline werden nach der Injektion langsam aus der subkutanen (unter der Haut) Injektionsstelle in den Körper abgegeben, so dass sie über einen längeren Zeitraum wirksam sind. Waren vorher 3-4 Injektionen am Tag nötig, reichten jetzt 1-2 tägliche Insulindosen aus. Die Einführung der Verzögerungsinsuline wurde als entscheidende Verbesserung der Lebensqualität eines Diabetikers angesehen. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte ergaben jedoch, dass die daraus entwickelte konventionelle Insulintherapie mit 1-2 Injektionen am Tag unphysiologisch ist und nicht den Anforderungen der Abstimmung von Nahrungsaufnahme, Insulinbehandlung und körperlicher Bewegung entspricht. Eine Insulintherapie mit Verzögerungsinsulinen ohne Zugabe von Alt-Insulin führt zu einem unerwünschten chronischen Hyperinsulinismus, der eine exakte Einstellung der Insulindosierung seitens des Patienten schwer möglich macht.

  • Intensivierte Insulinterapie:
    Die Weiterentwicklung von Insulinpräparaten und Insulinapplikationsformen in den letzten Jahren ermöglichte die Einführung der so genannten intensivierten Insulintherapie, bei der der Patient die Insulindosis ständig dem aktuellen Blutzuckerwert anpasst. Voraussetzung dafür ist die regelmäßige Bestimmung des Blutzuckerspiegels.

  • Insulin-Pens:
    Die subkutanen Insulininjektionen können mit Hilfe von "Pens" erfolgen. Dabei handelt es sich um füllhalterähnliche Injektionsgeräte, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten und aus denen die gewünschte Insulindosis per Knopfdruck gespritzt werden kann.

  • Insulinpumpen:
    Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist möglich durch die Benutzung so genannter Insulinpumpen. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte von der Größe einer Zigarettenschachtel werden ständig von dem Patienten am Körper getragen und geben über eine unter der Haut liegende Kanüle regelmäßig eine bestimmte vorprogrammierte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlauben sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen. Allerdings haben die Insulinpumpen noch keinen Sensor, der ihnen erlauben würde, den Blutzuckerspiegel selbständig zu regulieren und dem Diabetes-Patienten auf diese Weise nahezu völlige Unabhängigkeit von seiner Erkrankung zu verschaffen.




Letzte Aktualisierung am Montag, 31. Juli 2006