Diabetes
Diabetes allgemein
Volkskrankheit Diabetes mellitus
Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Unterschieden werden zwei Typen mit unterschiedlicher Entstehung, der Typ-I- und der Typ-II-Diabetes. Gemeinsam sind beiden Typen die möglichen Folgeerkrankungen und Spätschäden wie Makro- und Mikroangiopathien mit Schlaganfallrisiko, kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schädigungen an den Nerven mit Sensibilitätsverlusten, diabetisches Fußsyndrom, zerebrovaskuläre Schäden, sowie Nierenfunktionsstörungen, die in einer Dialysetherapie enden können.
Der Diabetes mellitus, auch als "Zuckerkrankheit" bezeichnet, ist eine große Herausforderung: Schon im Jahr 2010 werden in Deutschland voraussichtlich zehn Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt sein. Zurzeit leiden in Deutschland laut Deutscher Diabetes-Union mehr als sechs Millionen Menschen an Diabetes, 90 Prozent von ihnen an Diabetes Typ II, Tendenz deutlich steigend. Zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sind mehr Männer betroffen, danach nimmt der Anteil der Frauen zu. Frauen erkranken außerdem deutlich häufiger an einem Diabetes vom Typ II als Männer.
Insulin reguliert den Zuckerhaushalt des Körpers
Eine dauerhafte Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) ist das typische Erkennungszeichen eines Diabetes mellitus. Die Ursachen für eine solche Hyperglykämie sind vielfältig: Beim Typ-I-Diabetes wird kein eigenes Insulin mehr gebildet (absoluter Insulinmangel). Beim Typ-II-Diabetes dagegen kann das an sich genügend vorhandene Insulin entweder nicht in ausreichender Menge freigesetzt werden oder an den Körperzellen nicht seine volle Wirksamkeit entfalten (relativer Insulinmangel).
- Pankreas produziert das Insulin
Bei der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) handelt es sich um ein kleines, drüsiges Organ im Oberbauch des Menschen. Es hat zwei sehr unterschiedliche Funktionen. Als Hormondrüse produziert das Pankreas Insulin und gibt dieses direkt ins Blut ab, sofern nach einer Mahlzeit der Blutzucker ansteigt. Es besteht also eine direkte Beziehung zwischen dem Blutzuckerwert und der Insulinproduktion. Zum anderen bildet das Pankreas als Drüse des Verdauungskanals ein Sekret, das Enzyme für die Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettverdauung enthält. Dieser so genannte Bauchspeichel, etwa 0,5-1,5 l täglich, wird in den Dünndarm abgegeben. Dort bewirken seine Enzyme, dass die Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette der aufgenommenen Nahrung so aufgespalten werden, dass sie in den Blutkreislauf gelangen und für den Körper verwertet werden können. - Insulin wird in Langerhanszellen des Pankreas produziert
Die Zellen, in denen das Insulin gebildet wird, sind die so genannten Langerhans'schen Inseln (nach ihrem Entdecker Paul Langerhans) oder B-Zellen. Sie liegen inselartig gruppiert über die gesamte Bauchspeicheldrüse verteilt. Ein gesunder Erwachsener hat ca. 1 Million solcher Inselzellen. - Rolle des Insulinmoleküls nach Nahrungsaufnahme
Das Insulinmolekül ist ein Eiweiß und besteht aus zwei Aminosäureketten. Es nimmt eine zentrale Rolle in der Regulation des gesamten menschlichen Stoffwechsels ein. Bei einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, z.B. nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit, wird vom Pankreas Insulin gebildet und ins Blut abgegeben. Dieses Insulin wirkt dann an so genannten Insulinrezeptoren (Empfänger) bestimmter Körperzellen, vor allem im Muskel- und Fettgewebe, und sorgt dafür, dass diese Körperzellen Glukose aus dem Blut aufnehmen und verwerten können. Das geschieht durch eine Erhöhung der Durchlässigkeit (Permeabilität) für Glukose an der Zellwand dieser Zellen. Es handelt sich dabei um einen selektiven Prozess, der nicht für alle Körperzellen stattfindet, weshalb auch nicht alle Zellen Glukose aus dem Blut aufnehmen können. Glukose ist für viele Körperzellen ein wichtiger Energielieferant. Nur mit Hilfe dieser Energie sind z.B. Muskelzellen in der Lage, ihre Aufgaben wie die Muskelarbeit zu verrichten. Neben seiner großen Bedeutung für die Verwertung der Glukose aus der aufgenommenen Nahrung zeigt das Hormon Insulin auch Wirkung auf den Fettstoffwechsel und die Verwertung von Aminosäuren, die die Bausteine der Eiweiße sind.
Historie des Diabetes mellitus
Aretaios berichtete bereits 100 n. Chr.: "Der Diabetes ist eine rätselhafte Erkrankung."Diabetes kommt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich "die Beine spreizend" (wegen des verstärkten Harnflusses). Im Allgemeinen wird es jedoch mit "Durchgang" oder auch "Harnruhr" übersetzt. Mellitus ist lateinisch und bedeutet "honigsüß". Diabetes mellitus lässt sich demnach mit "honigsüßer Durchfluss" oder auch "Zuckerharnruhr" bezeichnen.
- Erstmalig wurde im 17. Jahrhundert von dem englischen Mediziner und Naturphilosophen Thomas Willis der süße Geschmack des Urins beschrieben. Das "Schmecken" des Urins war zu dieser Zeit die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu diagnostizieren.
- 1889 beschrieb der Berliner Pathologe Paul Langerhans inselartige Zellformationen in der Bauchspeicheldrüse des Menschen, die heute auch seinen Namen tragen. Allerdings wusste Langerhans noch nichts über die Funktion dieser Zellen.
- Ebenfalls 1889 konnten der Pharmakologe und Internist Joseph Freiherr von Mering und der Internist Oskar Minkowski den Zusammenhang zwischen der Bauchspeicheldrüse und dem Diabetes mellitus nachweisen. Sie entfernten einem Hund operativ die Bauchspeicheldrüse und erzeugten auf diese Weise künstlich einen Diabetes.
- 1921 gelang es den kanadischen Physiologen Sir Frederick Grant Banting und Charles Herbert Best, Insulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe zu gewinnen und dies einem Hund, dem zuvor die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt worden war, zu injizieren.
- 1922 wurde der erste Mensch mit Insulin behandelt.
- 1960 konnte die chemische Struktur des Hormons Insulin entschlüsselt werden.
- 1976 gelang erstmalig die Umwandlung von Schweineinsulin in Humaninsulin.
- Seit 1979 wird Humaninsulin gentechnologisch hergestellt.
Letzte Aktualisierung am Sonntag, 06. August 2006
