Dialysearten
Peritonealdialyse
Die Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialyse genannt, ist die zweite Variante der künstlichen Blutwäsche. Sie ist eine dauerhafte Therapie bei chronischem Nierenversagen im fortgeschrittenen Stadium und ist ein der Hämodialyse gleichwertiges Verfahren. Während bei der Hämodialyse das Blut außerhalb des Körpers mit einem speziellen Filter gereinigt wird, benutzt man bei der Peritonealdialyse das gut durchblutete Bauchfell des Patienten. Das Bauchfell, das die gesamte Bauchhöhle auskleidet, dient dabei als körpereigene Filtermembran.
Prinzip der Peritonealdialyse
Bei der Hämodialyse wird das Blut über eine Membran geschickt, um es von Schadstoffen zu befreien. Diese Membran funktioniert wie ein Filter und macht sich das Prinzip der Osmose zu Nutzen: Sind auf einer Seite der Membran Stoffe stärker konzentriert vorhanden als auf der anderen Seite des Filters, dann wandern diese Stoffe durch die Membran bis es zu einem Ausgleich der unterschiedlich hohen Stoffkonzentration kommt. Bei der Peritonealdialyse wird das Bauchfell als Blutfilter eingesetzt. Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine gut durchblutete, halbdurchlässige Membran, die die Bauchhöhle auskleidet und viele Organe überzieht. Über einen Katheter wird Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle eingefüllt. In dieser Dialyseflüssigkeit ist eine andere Konzentration an Substanzen als im Blut. Nach dem Prinzip der Osmose werden sie dem Blut entzogen und gelangen in die Bauchhöhle. Nach einigen Stunden wird die Dialyseflüssigkeit mit den Harnbestandteilen wieder aus der Bauchhöhle ausgelassen und frische Flüssigkeit eingelassen.
Praktisches Vorgehen bei der Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse füllt der Patient selbst zwei bis drei Liter einer sterilen Dialyselösung über einen Katheter in die Bauchhöhle, die das Peritoneum damit umspült. Die Substanzen, die ausgeschieden werden sollen, wandern vom Blut durch das Peritoneum in die Dialyselösung. Daneben soll dem Körper auch überschüssiges Wasser entzogen werden - der Fachmann spricht von Ultrafiltration. Deshalb enthalten die meisten Dialyselösungen Glukose (Zucker). Durch einen einfachen osmotischen Vorgang wandert dann Wasser in die Dialyselösung und kann so entfernt werden. Nach etwa vier bis fünf Stunden ist die Dialyselösung, das sogenannte Dialysat, mit Giftstoffen gesättigt. Es wird aus dem Bauchraum über den Katheter abgelassen und durch frische Dialyselösung ersetzt.Zur Durchführung der Peritonealdialyse gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bei der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) wechseln die Patienten selbstständig etwa vier bis fünf Mal am Tag Ihre Dialyselösung. Bei der automatischen Peritonealdialyse (APD) übernimmt ein Dialysegerät (Cycler) den automatischen Beutelwechsel über Nacht - so ist der Patient tagsüber noch unabhängiger und fühlt sich kaum eingeschränkt.
Die Peritonealdialyse lässt sich in ein bis zwei Wochen erlernen und kann vom Patienten selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Den persönlichen Bedürfnissen entsprechend kann der Patient den Zeitplan flexibel gestalten. Patienten sind darüber hinaus bezüglich der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme weniger eingeschränkt.
Regeln bei der Peritonealdialyse
Die Peritonealdialyse entspricht weitgehend der natürlichen Arbeitsweise der Niere. Der Körper wird kontinuierlich und gleichmäßig entgiftet und entwässert. Der Patient muss generell mit weniger Nebenwirkungen rechnen. Während der Dialyse ist der Patient mobil und unabhängig und kann seiner gewohnten Tätigkeit und seinem Beruf nachgehen. Dennoch gilt es auch bei dieser Dialyseform für den Patienten einige wichtige Punkte zu beachten:- Er hat ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Deshalb wird der Patient vor der Peritonealdialyse intensiv geschult.
- Er muss auf sorgfältige Hygiene achten und Dialysat und Katheteraustrittsstelle stets genau prüfen. Die Katheteraustrittsstelle kann sich leicht infizieren und zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) führen. Eine Infektion muss sofort behandelt werden.
- Er muss ein Dialyseprotokoll führen, das regelmäßig ermittelte Werte von Blutdruck, Körpergewicht und Flüssigkeitsausscheidung enthält.
- Er muss alle acht bis zwölf Wochen eine Kontrolle im Dialysezentrum vornehmen lassen.
- Er muss auf eine ausgleichende Ernährung achten, denn während der Peritonealdialyse verliert der Körper Vitamine und Eiweiß. Im Gegenzug nimmt er mit dem zuckerhaltigen Dialysat auch Kalorien auf.
Letzte Aktualisierung am Dienstag, 27. Juni 2006
