Ernährung
Praktische Küchentipps
Das Leben mit der Dialyse muss heute nicht mehr mit diätetischen Einschränkungen verknüpft sein, sondern gestaltet sich durch Freiräume und Ressourcen abwechslungsreich und phantasievoll.
Zubereitungstricks zur Kaliumreduzierung und Austauschmöglichkeiten zur Limitierung des Phosphorgehalts im Speiseplan stehen als verlockende Alternative einer Ansammlung von Verbotenem gegenüber. Selbständig Lebensmittel über den Tag hinweg zu kalkulieren, auszutauschen und genuss- und lustvoll die eigenen Menüs zusammenzustellen, kann anhand unterschiedlicher Schulungsmaterialien erprobt und gelernt werden.
Die Nahrung setzt sich bei Dialysepatienten wie bei Gesunden aus den Bestandteilen Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß zusammen. Die täglich notwendige Energiemenge wird individuell vom Arzt festgelegt. Eiweiße sowie Kalium, Phosphat und die Flüssigkeitszufuhr bedürfen jedoch bei Dialysepatienten einer besonderen Aufmerksamkeit:
Eiweiß:
Eiweiße (auch Proteine genannt) zählen zu den unerlässlichen Bestandteilen der täglichen Nahrung. Sie enthalten Aminosäuren und dienen dem Aufbau von Muskelfasern und Gerüstsubstanzen von Haut, Knochen und Sehnen. Eiweisse wirken zudem auch als Hormone und Enzyme.
Dialysepatienten haben einen besonders hohen Bedarf an Eiweißen, da ihnen durch die Dialyse regelmäßig Eiweiße entzogen werden. Daher ist eine Ernährung mit viel Eiweiß nötig. Bei der Peritonealdialyse ist dies sogar noch stärker der Fall als bei der Hämodialyse.
Essentielle Aminosäuren sind Aminosäuren, die der Körper nicht selber produzieren kann, er muss sie über die Nahrung aufnehmen. Auch in Tieren und Pflanzen kommen Aminosäuren vor. Da die menschlichen Aminosäuren aber stärker den tierischen als den pflanzlichen Aminosäuren ähneln, hat tierisches Eiweiß eine stärkere Wertigkeit für den Menschen. Daher sollten mindestens 50% des aufgenommenen Eiweiß tierischen Ursprungs sein.
Das Problem einer eiweißreichen Ernährung ist, dass mit dem Eiweiß auch Phosphat aufgenommen wird. Denn Phosphat kommt meist an Eiweiß gebunden vor. Deshalb sind Nahrungsmittel mit einem günstigen Verhältnis von Eiweiß zu Phosphat (viel Eiweiß und wenig Phosphat) anderen vorzuziehen.
Günstig sind:
Tierisches Eiweiß aus magerem Rind-, Schweine- Kalbs-, Lamm- oder Geflügelfleisch, Fisch, Weichkäse wie Brie und Limburger, Doppelrahmfrischkäse, Schinken und Corned Beef.
Phosphat:
Phosphat ist ein Baustein vieler lebenswichtiger Stoffe im Organismus. Das meiste Phosphat findet sich in Verbindung mit Calcium in den Knochen. Phosphat wird überwiegend über die Niere ausgeschieden. Bei nachlassender Nierenfunktion steigt der Phosphatspiegel an und es kann zu Überfunktionen der Nebenschilddrüse kommen. Daraus resultieren ein verstärkter Calciumabbau aus den Knochen und eine erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen und auch Gefäßschäden. Phosphat kann weder durch Wässern noch durch andere Methoden aus den Nahrungsmitteln entfernt werden. Der größte Teil des Phosphats ist darüber hinaus an das für den Dialysepatienten unverzichtbare Eiweiß gebunden. Deshalb ist es wichtig, phosphatarme Lebensmittel zu bevorzugen und eventuell medikamentös mit Phosphatbindern einzugreifen.
Erlaubt:
Wurst oder Frischkäse anstelle von Käse,
Wasser-Sahne-Gemisch anstatt Milch,
Obst statt Joghurt oder Quark,
Kartoffeln statt Nudeln oder Reis,
Graubrot statt Vollkornbrot,
nur einmal pro Tag Fleisch,
phosphorarmes Gemüse.Besser meiden:
Schmelzkäse, Hartkäse, Nüsse, Müsli, Innereien, Eigelb, Erbsen, Bohnen, Vollkornbrot, Lebensmittel mit den Zusätzen E 338, E 339, E 340, E 341, E 450a,b,c
Kalium:
Kalium wird bei Dialysepatienten nicht ausreichend ausgeschieden. In zu hohen Konzentrationen kann Kalium zu Störungen im Bereich von Muskel-, Nerven- und Herzkreislauffunktionen führen. Symptomatisch sind Ohrensausen und Verwirrtheit. Kalium ist in allen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten, auch in denen, die eiweißhaltig und damit unerlässlich für den Dialysepatienten. Kalium lässt sich aber durch Wässern oder Kochen reduzieren.
Erlaubt:
Obst und Gemüse aus Konserven besser als Frischware,
Kartoffeln und Gemüse vor Verzehr 3 bis 5 Stunden Wässern,
Fleisch in Kombination mit kaliumarmen Beilagen wie Reis, Grieß oder Teigwaren,
Tee statt Kaffee,
Quark statt Joghurt,
Gurke, Lauch, Spargel, Zuccchini, Eisberg- und Kopfsalat, Zwiebel, Radieschen, Auberginen, Möhren, Chinakohl, Chikoree, Rot- und Weißkraut,
Weiß- und Toastbrot, Brötchen, Kuchen, GebäckBesser meiden:
Hülsen- und Trockenfrüchte, Diätsalze, Müsli, Obst- und Gemüsesäfte, Haferflocken, Bananen, Aprikosen, Pilze, Kartoffelfertigprodukte, Kartoffelchips
Vitamine:
Eine weitere Folge der Dialyse ist der Verlust an wasserlöslichen Vitaminen. Diese lassen sich jedoch durch die Nahrung, in Form von Tabletten oder Vitaminpräparaten wieder zuführen.
Flüssigkeit:
Die verminderte Urinausscheidung von Dialysepatienten führt bei gleichbleibendem Trinkverhalten zu Ödembildung und Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems. Daher ist die Kontrolle der Flüssigkeitszufuhr zentraler Punkt einer Diät. Die Bilanzierung der Wassermenge ist schwierig, da nicht nur die Trinkmenge, sondern auch die Flüssigkeit in den Nahrungsmitteln eingerechnet werden muss. Grundsätzlich sollte der Patient sich einmal täglich wiegen. Die tägliche Gewichtszunahme sollte nicht über 500 g bis 1 kg liegen. Die Gewichtszunahme zwischen zwei Dialyseeinheiten sollte 2 kg bis 2,5 kg nicht überschreiten. Hierzu sollte auch individuell Rücksprache mit dem behandelnden Nephrologen gehalten werden.
Viele Patienten leiden unter Durstgefühl, welches sich mit kleinen Tricks reduzieren lässt.
Erlaubt:
Bittergetränke, Eiswürfel oder Zitronenstücke lutschen,
tiefgefrorenes Obst lutschen
Kaugummi ohne Zucker
saure Drops,
Speisen würzen und nicht salzenBesser meiden:
Salzige Speisen
süße Getränke
Tipp: Für gute Luftfeuchtigkeit im Raum sorgen.
Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 12. März 2008
