Niere.org
Nachrichtenarchiv
10.06.2002
Bessere Prognose bei frühzeitiger Überweisung zum Nephrologen
(NAM) Die Behandlung von Krankheiten der inneren Organe übernehmen in der Regel Allgemeinärzte, Praktische Ärzte oder Internisten. Erst bei komplizierten oder schwerwiegenden Fällen, die besondere Kenntnisse und Erfahrungen verlangen, wird ein entsprechender Spezialist eingeschaltet. Der richtige Zeitpunkt dafür liegt meist im Ermessen des verantwortlichen Hausarztes. So gibt es bisher keine eindeutigen Richtlinien, wann ein Patient mit Nierenschwäche bei einem Nephrologen (Nierenfacharzt) vorgestellt werden sollte. Wissenschaftliche Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass eine frühzeitige Überweisung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.
Australische Forscher prüften diese These in einer aufwändigen Studie. Sie werteten dabei die Daten aller Personen aus, bei denen in Australien und Neuseeland zwischen 1995 und 2000 eine regelmäßige Dialysebehandlung eingeleitet worden war. 26 Prozent der 4886 Patienten wurden erst spät an einen Nephrologen überwiesen – nämlich innerhalb von sechs Monaten vor Beginn der Nierenersatztherapie. In dieser Gruppe lag die Sterblichkeit deutlich höher als bei den Nierenkranken, die sich früher in die Behandlung eines Spezialisten begeben hatten.
Das Missverhältnis blieb auch nach Kontrolle auf Variablen wie Alter, Geschlecht, zusätzliche Erkrankungen und Art des Nierenleidens bestehen. Patienten, die frühzeitig an einen Facharzt verwiesenen worden waren, hatten außerdem eine höhere Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres eine Ersatzniere zu erhalten. In dieser Gruppe befanden sich vor allem Personen, deren Erkrankung in erster Linie die Nieren selbst betraf (etwa Zystennieren). War das chronische Nierenversagen dagegen durch eine Zuckerkrankheit oder ein Herz-Kreislauf-Leiden verursacht, wurde ein Nephrologe häufiger erst zu einem späten Zeitpunkt um Unterstützung gebeten. Die Autoren schließen aus den Ergebnissen ihrer Untersuchung, dass diese Patienten ebenfalls von einer früheren Überweisung profitieren können.
Quelle: Nephrology 2002; 7, S29-S32
(Eine Meldung der Nachrichten Agentur Medizin, Berlin)
Zurück
Letzte Aktualisierung am Montag, 20. November 2006
