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16.09.2002
Nierenerkrankungen werden nicht immer rechtzeitig erkannt

(NAM) Nierenerkrankungen sind im Vergleich zu Störungen anderer Organsysteme, etwa im Bereich des Magen-Darm-Traktes, relativ selten. Gleichzeitig machen sie sich meist durch Beschwerden bemerkbar, die auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten können – Mediziner sprechen von unspezifischen Symptomen. Häufig führt der erste Weg des Patienten nach dem Besuch des Hausarztes nicht zum Nephrologen (Nierenspezialisten), sondern zum Urologen, dem Facharzt für die ableitenden Harnwege wie Blase und Harnröhre. Aus diesem Grund kann es zu einer enormen Verzögerung bis zur korrekten Diagnose und dem Beginn der Therapie kommen. Darauf weisen zwei Ärztinnen der Medizinischen Hochschule Hannover in Der Internist hin. Sie bemerken in diesem Zusammenhang außerdem, dass „Fehldiagnosen bei nephrologischen Erkrankungen häufig sind“.

In ihrem Artikel stellen sie drei Fälle vor, bei denen eine falsche Einschätzung der Krankheitszeichen zu einer verzögerten Behandlung der Patienten führte. Eine 42-jährige Lehrerin etwa wurde mit heftigsten Flankenschmerzen in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert. Schnell war klar, dass es sich um eine Erkrankung der rechten Niere handelte. Die Ärzte entschieden sich für eine antibiotische Therapie, da sie von einem entzündlichen Geschehen ausgingen. Erst nach einer Woche stellte sich heraus, dass die Nierenarterie durch ein Blutgerinnsel verschlossen war; die Patientin litt unter einem akuten Nierenarterienverschluss. Da das Organ mehrere Tage ohne Nährstoffversorgung geblieben war, erholte es sich trotz intensiver ärztlicher Bemühungen nicht mehr.

Exemplarisch an diesem Fall ist, dass schon eine ausführliche Anamnese, also ein strukturiertes Gespräch mit der Patientin, die Mediziner auf die richtige Spur geführt hätte. Die Frau war im Alter von 16 Jahren nämlich bereits einmal am rechten Nierengefäß operiert worden. Die Autorinnen betonen daher, dass häufig „nicht komplexe technologische Untersuchungen, sondern – unter anderem – eine sorgfältige Anamnese“ zur richtigen Einordnung von verdächtigen Symptomen führen.

Quelle: Internist 2002, 43: 595-606

(Eine Meldung der Nachrichten Agentur Medizin, Berlin)

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