Niere.org

Nachrichtenarchiv


19.05.2003
Spätestens vier Monate vor Dialysebeginn zum Nephrologen

(NAM) Der Eintritt der Dialysepflichtigkeit geschieht selten überraschend, sondern ist meist der Endpunkt eines langwierigen Krankheitsprozesses. Damit existieren gute Voraussetzungen, um die Betroffenen rechtzeitig auf die regelmäßige Blutwäsche vorzubereiten. Denn sowohl Patienten als auch deren Angehörige müssen mit nachhaltigen Einschränkungen des Alltags und neuen Belastungen umzugehen lernen. Die frühzeitige Einbeziehung eines spezialisierten Facharztes (Nephrologe) kann außerdem die Prognose des Nierenkranken verbessern. Darauf hat Professor Walter Hörl von der Universitätsklinik Wien im Rahmen des diesjährigen Internistenkongresses in Wiesbaden hingewiesen. Patienten, die weniger als 17 Wochen vor Beginn der Dialysebehandlung zu einem Nephrologen überwiesen werden, haben eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als solche, die rechtzeitig auf eine Nierenersatztherapie vorbereitet worden sind, erklärte der Experte nach Angabe der „Ärzte Zeitung“.

Hörl empfiehlt seinen Kollegen, Patienten zum Spezialisten zu schicken, wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) einen Wert von 30 ml/min unterschreitet und der Kreatininspiegel im Blut über 2 mg/dl steigt. Beide Parameter gelten als Maßstab für die Funktionsfähigkeit der Niere. Die Blutwäsche wird in der Regel bei einer GFR von etwa 15 mg/dl eingeleitet. Doch schon vor Dialysebeginn besteht Handlungsbedarf. So ist bekannt, dass sich das Sterberisiko bei chronisch Nierenkranken deutlich erhöht, wenn die Kreatininkonzentration über 1,4 mg/dl liegt. Ursache ist wahrscheinlich ein Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie) beziehungsweise des in ihnen enthaltenen roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin), der zu einer kompensatorischen Vergrößerung des linken Herzmuskels führt. Eine medikamentöse Senkung des Blutdrucks auf Werte von 120/80 mmHg hat sich in verschiedenen Studien als sinnvoll erwiesen. Hörl rät außerdem dazu, die Anämie zu behandeln – als Grenzwert nennt er eine Hämoglobinkonzentration (Hb) von 11 g/dl, der Zielwert liege bei etwa 13 g/dl. Da 75 Prozent der chronisch Nierenkranken an einem Vitamin-D-Mangel leiden, müsse auch dieser Parameter regelmäßig kontrolliert werden. Ansonsten droht ein fortschreitenden Verlust an Knochenmasse (Osteoporose). AG

Quelle: Ann Rheum Dis (2003); 62: 435-439

[Arztsuche in Deutschland]

(Eine Meldung der Nachrichten Agentur Medizin, Berlin)

Zurück




Letzte Aktualisierung am Montag, 20. November 2006