Chronisches Nierenversagen
Niereninsuffizienz
Der Funktionsverlust der Niere wird auch als Niereninsuffizienz bezeichnet. Tritt der Funktionsverlust plötzlich und zeitlich begrenzt auf, so wird er als "akut" bezeichnet. Vollzieht sich der Verlust langsam über längere Zeit, so spricht man von "chronisch". Im Folgenden werden Verlauf und Ursachen von chronischem Nierenversagen beschrieben.
Wie entsteht ein Nierenversagen?
Die Abnahme der Nierenfunktion vollzieht sich oft schleichend und zunächst unbemerkt. Zunehmend mehr Nierengewebe ist nicht mehr in der Lage, den sogenannten Primärharn zu produzieren. Allerdings fällt dies meist erst dann auf, wenn bereits die Hälfte des Nierengewebes geschädigt ist. Vorher gleicht das noch intakte Gewebe den Leistungsausfall aus und es werden noch nahezu alle harnpflichtigen Substanzen ausgeschieden. Fallen die Nieren vollständig aus, so spricht man von terminalem Nierenversagen. Werden in diesem Stadium keine Gegenmaßnahmen ergriffen, kommt es zu einer Vergiftung des Körpers innerhalb kurzer Zeit. Dies kann, sofern keine adäquaten Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden, für den Patienten tödlich enden.Ursachen des Funktionsverlustes
Ursächlich für einen langsamen Funktionsverlust sind meist andere chronische Erkrankungen. Im Einzelnen sind dies:- Diabetische Nephropathie (Nierenschädigung durch Diabetes mellitus) in über 20% der Fälle
- Chronische Glomerulonephritis (chronische Entzündung der Glomeruli) in ca. 20% der Fälle
- Interstitielle Nephritis und chronische Pyelonephritis (chronische Nieren- und Nierenbeckenentzündungen) in ca. 15% der Fälle
- Hypertone vaskuläre Nephropathie (Nierenschädigung durch Bluthochdruck) in ca. 10% der Fälle
- Polyzystische Nephropathie (angeborene Nierenfehlbildungen mit zahlreichen Zysten) in ca. 10% der Fälle; die Grunderkrankung führt in der Regel ab dem 40. Lebensjahr zur Niereninsuffizienz
- Analgetikanephropathie (Schädigung durch chronischen Schmerzmittelmissbrauch) in ca. 5% der Fälle
- Systemerkrankungen in ca. 5% der Fälle; zu nennen sind hier Vaskulitiden (Erkrankung der Blutgefäße inklusive Nierengefäße) oder der Systemische Lupus Erythematodes (SLE), SLE ist eine Bindegewebserkrankung, die auch die Nieren betrifft
- nicht klassifizierte Ursachen in ca. 15% der Fälle
Vier Stadien bis zur terminalen Niereninsuffizienz
Wie bereits erwähnt, vollzieht sich der Funktionsverlust schrittweise. Die Niereninsuffizienz wird daher in vier Stadien eingeteilt:- Latenzstadium
In diesem Stadium ist die Fähigkeit der Niere leicht eingeschränkt. Das Stadium ist aber zunächst symptomlos. Die Blutwerte der harnpflichtigen Substanzen sind normal. - Kompensierte Retention
Das Zurückhalten von Substanzen im Blut, die eigentlich ausgeschieden werden müssten, bezeichnet man auch als Retention. Eine vollständige Ausscheidung der harnpflichtigen Substanzen ist nicht mehr möglich. Ihre Werte im Blut erhöhen sich, bleiben aber stabil. - Präterminale Niereninsuffizienz
Es kommt zum kontinuierlichen Anstieg der harnpflichtigen Substanzen, Symptome der fehlenden Nierenfunktion treten jedoch nur wenig auf. - Urämie: terminale Niereninsuffizienz
In diesem Stadium geht die Filterleistung der Niere gegen Null. Um zu verhindern, dass der Körper vergiftet, müssen die harnpflichtigen Substanzen nun durch Dialyse aus dem Blut gefiltert werden.
Wie macht sich eine Niereninsuffizienz bemerkbar?
Erste Folgen einer Niereninsuffizienz:- Bluthochdruck:
Mit fortschreitender Niereninsuffizienz entwickeln viele Patienten bereits frühzeitig Bluthochdruck (s. kompensierte Retention), der sich negativ auf die Herz-Kranzgefäße auswirkt. - Leistungsabnahme:
Die Leistungsfähigkeit der Patienten sinkt und viele leiden zudem unter Schlafstörungen. - Ödeme:
Sinkt die Filterleistung der Niere, scheidet der Körper weniger Salze und Wasser aus. Es kommt zu Wassereinlagerungen, sogenannten Ödemen. - Allgemeinsymptome:
Häufige Beschwerden sind zudem Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.
- Wadenkrämpfe
- Foetor uraemicus (der Geruch der Betroffenen nach Urin)
- neurologische Symptomen wie Sensibilitätsstörungen, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels), die tödlich verlaufen kann
- Hautbeteiligung: Bei längerer terminaler Niereninsuffizienz leiden die Betroffenen oftmals unter einer gelblichen Verfärbung der Haut sowie Hautjucken, beides resultiert aus der Einlagerung von Harngiften (ausscheidungspflichtige Substanzen) in der Haut
Wie wird die Niereninsuffizienz diagnostiziert?
Für die Diagnose einer Niereninsuffizienz sind eine Reihe von Untersuchungen notwendig:- Bestimmung des Kreatininspiegels im Blut
- Bestimmung der Kreatinin-Clearance
- bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Computertomographie (CT), diese Verfahren dienen auch der Verlaufskontrolle
Bedeutung des Kreatinin für einen Nierenkranken
Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Stoffwechsels. Es wird in konstanter Menge in den Muskeln gebildet, nur über den Urin ausgeschieden und gehört somit zu den ausscheidungspflichtigen Substanzen. Der Begriff "Clearance" kommt aus dem Englischen und bedeutet "klären".Für die Kreatinin-Clearance bestimmt man neben der Urinausscheidung die Kreatinin-Konzentrationen im Blut und im Urin. Wenn der Kreatinin-Wert im Blut beispielsweise hoch und im Urin hingegen niedrig ist, deutet dies auf eine unzureichende Filterleistung der Niere hin. In die Berechnung gehen zudem Alter, Geschlecht und Größe ein. Die Kreatininwerte im Blut werden in mg/dl angegeben. Ein Anstieg der Kreatininwerte und damit niedrigere Clearance-Werte zeigen eindeutig das Nachlassen der Nierenfunktion an.
Letzte Aktualisierung am Sonntag, 06. August 2006
